Versand in benutzten Verpackungen bei monomeer – Wie funktioniert das?

Wir alle merken es zu Hause: Irgendwie schmeißen wir doch viel mehr Kartons und Kisten weg als früher. Während man früher froh war, wenn mal jemand ein Päckchen schickte (denn dann handelte es sich meistens um ein Geschenk), flattern heute ständig Kartonagen ins Haus. Klar, der Versandhandel. Wir bestellen immer mehr im Internet.

Der Verbrauch von Papierverpackungen im Versandhandel hat von 2000 bis 2012 um 75 Prozent zugenommen, sagt das Umweltbundesamt. Und auch wenn es sich bei Pappe nicht um Plastik handelt, sondern ja irgendwie um “guten” Müll, der einfach entsorgt und recycelt werden kann, produzieren wir hier eine ganz schöne Schweinerei. Denn auch Pappe – ob nun Recyclingmaterial oder Frischfaser – verbraucht bei ihrer Herstellung wertvolle Ressourcen.

Logisch, dass wir da mal einen Schritt weitergedacht haben: Jeder Karton und jedes Füllmaterial, das mehrfach verwendet wird, minimiert diesen Ressourcenverbrauch. monomeer versendet daher nun auf Wunsch auch in benutzten Verpackungsmaterialien.

Wie funktioniert das? Die wichtigsten Infos sind hier einmal zusammengestellt:

  • Der Versand in einer benutzen Verpackung erfolgt nicht automatisch. Im Kassenbereich des Shops kann man ein Häkchen setzen, wenn man seine Bestellung in benutzten Materialien erhalten möchte. Wenn man das Häkchen nicht klickt, wird ein neuer Karton (natürlich plastikfrei und aus Recyclingmaterial) verwendet.
  • Auch die gebrauchten Versandmaterialien sind plastikfrei. Kartons mit Plastikklebeband etwa verwenden wir nicht, und entfernen dieses auch nicht, um es dann durch Papierklebeband zu ersetzen. Es kommen nur solche Kartons in den Versand, die schon immer mit einem Papierklebeband verklebt waren.
  • Die Kartons mit Papierklebeband sind halt leider eine rare Spezies. Daher kann es schon mal vorkommen, dass keine passenden benutzten Kartons vorrätig sind. Wir versenden dann in einem neuen Karton.
  • Anders verhält es sich mit dem Füllmaterial: Das flattert uns öfters in plastikfreier Recyclingqualität ins Haus, sodass wir dieses auch meistens vorrätig haben.
  • Übrigens: Bis zu einem Warenwert von 75 Euro werden 50 Cent von den Versandkosten abgezogen, wenn Ihr den Versand mit benutzten Materialien wählt. Da der Versand über 75 Euro ohnehin kostenlos ist, werden diese 50 Cent dann aber nicht extra angerechnet.

Noch Fragen, Kienzle? Aber gerne doch: Einfach eine Email an info ” monomeer.de schreiben.

Gewinnspiel Ich brauch’ weniger 2016 Edition: Eure Einsendungen

Vielen Dank an alle, die sich an der 2016 Edition des Gewinnspiels “Ich brauch’ weniger” beteiligt haben. Wie die Einsendungen gezeigt haben, brauchen viele von Euch tatsächlich weniger – sie sparen Plastik wie die Weltmeister, vermeiden Müll an allen Ecken und Enden und tragen so ihr Scherflein zum Wohlergehen unseres guten Planeten Erde bei.

Hier nun eine Auswahl der vielen Einsendungen:

Franziska: Inzwischen hält mich mein Freund für einen radikalen Hippie

“Ich versuche seit ca. einem halben Jahr meinen Plastikmüll zu reduzieren. Hierfür habe ich vor allem meine Badezimmerroutine umgestellt. Inzwischen benutze ich zum Duschen Seife und zum Waschen meiner Haare Lavaerde. Auch auf Bodylotion verzichte ich, stattdessen verwende ich Sesamöl. Meinen Einkauf erledige ich hauptsächlich auf Wochenmärkten und hin und wieder im verpackungsfreien Laden, dadurch spare ich sehr viel Plastik ein.

Die meisten Plastikutensilien habe ich aus meiner Küche verbannt und über Ebay verkauft. Zusätzlich werde ich diesen Sommer aussortierte Gegenstände auf dem Flohmarkt verkaufen. Inzwischen hält mich mein Freund für einen radikalen Hippie, hat allerdings auch alle Plastikschalen aus seiner Küche verbannt…J Ich sehe das als Teilerfolg.”

Wir sagen: Radikaler Hippie, das ist doch eine ganz wunderbare Liebeserklärung?!

Andrea: Plastikfreie Kleidung ist die Königsdisziplin

“Rückblickend war der Anfang einfach. Die Umstellung auf den Einkauf ohne Plastik – kein Problem mit ein bisschen Suchen und Anpassen. Schon schwieriger: Die Körperpflege und das Putzen ohne Plastik. Aber auch das war nach einiger Zeit des Lernens durchaus machbar. Creme mache ich jetzt selbst und unser Vollwaschmittel und die Reinigungsmittel auch.

Inzwischen bin ich allerdings bei plastikfreier Kleidung angekommen, denn irgendwann geht alles so nach und nach kaputt. Und ich muss sagen, für mich ist es die (bisherige) Königsdisziplin. Schwierig, sehr schwierig. Vor allem, wenn’s nicht nur plastikfrei, sondern auch aus Biobaumwolle sein soll und das Leder – bittschön – pflanzlich gegerbt Wenn man dann endlich den fast (!) plastikfreien Biobaumwoll-BH gefunden hat und der kommt in der Plastikhülle, dann ist das Triumphgefühl über den Findling groß und die Hülle fast nebensächlich. Trotzdem sollte das in Zukunft besser laufen.

Meine letzten Errungenschaften: Eine Jogginghose aus reiner Bio-Merinowolle (endlich kann die 15 Jahre alte Plastikhose in Rente gehen) und Haarbänder ohne Plastik aus Biobaumwolle und Naturkautschuk (kamen in Papier verpackt!). Da habe ich fast ein Jahr nach gesucht. So ein Glück, dass es Menschen gibt, die so etwas herstellen!”
Wir sagen: Haarbänder ohne Plastik aus Biobaumwolle und Naturkautschuk? Yeah! Bitte gern die Einkaufsquelle verraten.
Thomas: Lego wird bleiben

Die nächsten Herausforderungen werden das Spielzeug meines Sohnes und Kleidung sein. Das einzig Gute was ich zu dem Thema sagen kann, dass ich nur wenige Klamotten habe und diese bis zum Auseinanderfallen trage.

Beim Spielzeug ist es ähnlich. Es gibt wenig Holzspielzeug und viele Dinge aus Kunststoff. Playmobil wird aber bleiben. So konsequent bin ich dann doch nicht.

Außerdem werde ich versuchen bestimmte Dinge selbst zu machen. Müsli, Nudeln, Brot, Spülmittel gehören dazu. Dieses Selbstmachen ist in der heutigen Zeit fast verschwunden.

Wir sagen: Plastikvermeiden soll auch Spaß machen, und wieso soll man sich nicht seine Lieblingsdinge erlauben – ob nun Lego oder ab und an die Tüte Chips.

Gewinnspiel: Ich brauch weniger – 2016 Edition

Es ist wieder mal so weit – mein Gelber Sack war voll und mußte gehen. Für immer. Nach etwas mehr als einem Jahr hatten wir uns auseinandergelebt. Um genau zu sein, hatte zunächst der Gelbe Sack sich selbst auseinandergelebt. Denn er war zum Schluß etwas dünnhäutig und brauchte einen zweiten Überzug, um es sicher zum Gelben-Sack-Sammelpunkt zu schaffen. Ich sagte leise Servus, bevor die Müllabfuhr laut um die Ecke gebogen kam und den Gelben Sack mitnahm. In die Schweiz wahrscheinlich, wo der Großteil des Konstanzer Mülls verbrannt wird. Ich hätte also Ade sagen sollen. Und merci natürlich.

Das isser
Das isser

Nachdem mein letzter Gelber Sack nach zehn Monaten gefüllt war, konnte ich meinen Plastikmüll nun also noch etwas weiter reduzieren. Das freut mich sehr. Und auch wenn es gegenüber Bea Johnson und Lauren Singer so aussieht, als hätte ich ein krasses Müllproblem (und wer weiß, vielleicht kann man es auch als solches bezeichnen), freue ich mich, dass ich mich von einem Gelben Sack pro Monat (vor meinem plastikfreien Leben) auf einen Gelben Sack pro Jahr verbessern konnte.

Müll, dechiffriert

Was ist denn noch so drin im Gelben Sack, wenn man plastikfrei lebt? Nun, eine ganze Menge. Ich teile die Sachen mal in vier Kategorien ein:

  • Erstens wären da die Plastik-Altlasten. Ich bin erstaunt, wieviele Sachen ich teilweise erst mehr als zwei Jahre nach Beginn meines plastikfreien Lebens aufgebraucht habe – Lippenpflegestifte zum Beispiel. Und es sind immer noch welche da.
  • Zweitens kaufe ich selbst auch immer noch neues Plastik, jaja! Am meisten Müll produziere ich in meiner Eigenschaft als Kontaktlinsenträgerin. Die Flaschen für die Aufbewahrungslösung, die Kontaktlinsenverpackungen und die Kontaktlinsen selbst ergeben ein hübsches Häufchen.
  • Drittens bekomme ich Plastik auch geschenkt. Und zwar vor allem von einer Person, meiner Mutter nämlich. Sie versorgt mich bei jedem Besuch und bei jedem Geschenkeanlass mit Pralinenschachteln. Das tragische daran: Ich esse sie dann auch. Und muß die leeren Plastikschuber entsorgen.
  • Und viertens sind neben Plastik natürlich auch Wertstoffe im Gelben Sack: Schraubglasdeckel etwa und die ein oder andere Konservendose, auch wenn ich diese zu vermeiden versuche.

In jedem Fall gilt: Neuer Gelber Sack, neues Glück. Mal sehen, wie lang diesmal meine Lebensabschnittspartnerschaft mit dem guten Stück dauert.

Tataaa: Das Gewinnspiel

Und wie sieht es bei Euch aus? Um Mißverständnissen gleich mal vorzubeugen: Alles kann, nichts muß. Während ich Euch keinesfalls davon abbringen möchte, Euch beim Plastikvermeiden hohe Ziele zu stecken, so sage ich doch immer: Jedes vermiedene Stück Plastik hilft. Den einen fällt es leichter, auf Plastik zu verzichten, bei anderen ist es schwieriger – Familien zum Beispiel, oder Menschen mit Gummientenfetisch.

Schreibt doch unter dem Betreff “Ich brauch weniger” in einer Mail an info*monomeer.de ein paar Zeilen darüber, was Eure Ziele fürs Plastikvermeiden sind oder was Ihr schon erreicht habt. Eine Auswahl der Einsendungen wird zusammen mit Eurem Vornamen an dieser Stelle veröffentlicht. Unter allen Teilnehmenden werden 3 monomeer-Gutscheine à 50 Euro verlost. Einsendeschluß ist der 5. Mai 2016.

Von der Schönheit des Teilens

Denken wir an unsere Kindheit zurück, so hieß eine unserer wenigen auszuführenden Aufgaben: Teilen. Unsere Eltern legten großen Wert darauf, uns zu vermitteln, dass die Sandkastenförmchen und der Roller auch von anderen einmal benutzt werden durften, und das obwohl sie doch eigentlich uns gehörten. Alle in der DDR Aufgewachsenen werden sich zudem an die Geschichte von Ernst Thälmann erinnern, der seine Laufbahn als Arbeiterführer damit begann, dass er in der Schule seine Schnitten mit sozial schlechter gestellten MitschülerInnen teilte. Mit dem Effekt, dass er sie dann nicht einmal wiederbekam.

Leihstation im Baumarkt
Leihstation im Baumarkt

Vom Wert des Teilens scheint allerdings nicht viel ins Erwachsenendasein hinübergerettet zu werden. Zwar geben wir den Platz im Bus frei, wenn wir meinen, jemand anderes hätte ihn nötiger, auch versuchen wir, im Schwimmbad nicht allzu viel Platz einzunehmen, und wir beschweren uns nicht, wenn im Café die Zeitung im Beschlag eines anderen Gastes ist – das heißt, wir sind sehr wohl imstande, zu teilen. Geht es aber um Güter, die uns nicht von der öffentlichen Hand oder wohlmeinenden Cafehausbetreibern zur Verfügung gestellt werden, sondern um all jene Dinge, die wir zu Hause haben, ist Teilen weitaus weniger üblich.

Eigentlich hätten wir gern alles für uns

Schon im Kindesalter stellten wir fest: Teilen fällt schwer. Wir hätten einfach gern alles für uns. Ohne dass wir jemanden um etwas bitten müßten, und ohne dass uns jemand um etwas bittet. Wir hätten gern viel Besitz, und wir wären gern mit unserem Besitz allein. Zu teilen erweckt vor allem aus Nehmerperspektive den Eindruck von Armut oder übertriebener Sparsamkeit. Es ist uns unangenehm, um etwas zu bitten. Als Geber dagegen steht man bald der Frage gegenüber, wann das Geteilte eigentlich zurückgebracht wird, in welchem Zustand dies geschieht und was um Himmels Willen ist, wenn man das Verliehene, obwohl es im vergangenen Jahr nur im Keller gestanden hat, urplötzlich selber gebrauchen könnte.

Kurzum, Teilen ist nicht zuverlässig. Es verkompliziert die Art und Weise, wie wir Gegenstände benutzen. Denn Leihgut ist nicht unbedingt immer sofort griffbereit. Es setzt soziale Interaktion voraus. Wir müssen uns vielleicht erst die Bedienungsanleitung durchlesen. Und es könnte kaputtgehen. In seiner Unberechenbarkeit ist Teilen daher ein Stresstest für unser optimiertes Leben: Wir sind es gewohnt, Dinge sofort greifbar zu haben und sie jederzeit einsetzen zu können. Teilen dagegen stellt sich unserer durchgetakteten To-do-Liste mit mehreren Hürden in den Weg.

Etwas selbst zu besitzen ist einfacher. Wir müssen uns keine Gedanken darüber machen, wann wir etwas zurückgeben müssen, ob wir es richtig saubergemacht haben und ob etwas verleihen womöglich heißt, dass der andere nun auch von uns etwas ausleihen möchte. Eigener Besitz ist auch deshalb schön, weil er uns zeigt, warum wir uns jeden Tag von 9 bis 5 durch einen Job quälen. Wofür gehen wir arbeiten, wenn nicht für das Auto, die Brotbackmaschine oder den Fotoapparat? Und wie sollen wir uns über diese Dinge freuen, wenn sie jemand anderem gehören, wir sie aber nur ab und zu mal anfassen dürfen? Mit unserem eigenen Besitz – jede/r von uns hat etwa 10.000 Gegenstände zu Hause – sind wir emotional verbunden, mit dem anderer Leute nun mal nicht.

Teilen setzt das Grundgesetz des Kapitalismus außer Kraft

Teilen widerspricht grundsätzlich dem Akt des Shoppens. Es setzt einen echten Bedarf an etwas voraus, während Shoppen lediglich ein Erwerb nach dem Lust- und Belohnungsprinzip ist und die anschließende Benutzung des erworbenen Gegenstandes nicht einmal unbedingt einschließt. Der geteilte Gegenstand wird auch in den seltensten Fällen die Lust auf neue Gadgets und 4.0-Versionen befriedigen können, denn wer würde schon sein neuestes iPhone 6 oder seinen Sportwagen verleihen? Teilen steht der Konsumkultur damit diametral gegenüber und setzt das Grundgesetz des Kapitalismus außer Kraft: Kaufen um des Kaufens Willen.

Sticker der Verleih-Initiative Pumpipumpe am Briefkasten
Sticker der Verleih-Initiative Pumpipumpe am Briefkasten

Trotz aller Schwierigkeiten, die das Teilen mit sich bringt, hat es in den letzten Jahren einen enormen Aufschwung genommen. Ob übriggebliebenes Essen, das Auto oder das Haus – man kann inzwischen fast alles teilen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Zunächst einmal ist Teilen gelebter Umweltschutz. Wofür als Neuware keine Nachfrage besteht, das wird auch nicht hergestellt. Ressourcen werden eingespart, es muß am Ende weniger entsorgt werden. Zweitens ist Teilen trotz der ein oder anderen Hürde auf dem Weg zum gewünschten Gegenstand ungemein alltagserleichternd, denn was man nicht besitzt, muß man auch nicht putzen, reparieren, lagern und schließlich entsorgen. Weniger Besitz bedeutet mehr Freiheit und mehr Lebensqualität – Minimalismus nennt man das auch. Drittens ist Teilen ein sozialer Akt und bringt entsprechend Pep in jede Gesellschaft, außerdem demokratisiert es den Zugang von Menschen zu Waren. Viertens spart Teilen sehr viel Geld. Oft fällt, wenn überhaupt, nur eine Leihgebühr an, die Anschaffungs-, Wartungs- und Entsorgungskosten entfallen jedoch. Dies läßt sich vom kleinen Maßstab des Vierpersonenhaushalts auch auf ganze Volkswirtschaften übertragen, denn in der Vollkostenrechnung, die Umweltschäden, Ressourcenausbeutung und die soziale Frage mit einrechnet, schlägt jedes hergestellte Produkt zu Buche, jedes nicht hergestellte entsprechend nicht.

Teilen macht nicht die Wirtschaft kaputt

Hinsichtlich der ökonomischen Bilanz des Teilens gibt es natürlich auch Gegenstimmen. Wenn wir keine Bohrmaschinen mehr kaufen, was wird dann aus den Jobs in den Bohrmaschinenfabriken? Und was wird aus der deutschen Autoindustrie, wenn alle sich ein Auto leihen, statt sich eins anzuschaffen? Nun, zum einen sind wir weit davon entfernt, dass nichts mehr gekauft wird. Obi und MediaMarkt konnten allen derzeitigen Informationen zufolge noch keine Kundenschwund aufgrund des Phänomens „Teilen“ verzeichnen. Bei der Autoindustrie hat carsharing allem Anschein nach sogar zu einer Rückbesinnung vieler autoloser Großstädter zum eigenen Fahrzeug geführt – es ist halt doch zu schön, den fahrbaren Untersatz direkt vor der Haustür stehen zu haben. Außerdem wird davon ausgegangen, dass Teilen letztendlich Arbeitsplätze schafft, etwa wenn eine Ausleihstation eröffnet wird und dort jemand hinter der Theke steht.

Auch Obstbäume kann man teilen - diese Äpfel hier stammen von öffentlichen Bäumen am Straßenrand
Auch Obstbäume kann man teilen – die Äpfel stammen von öffentlichen Bäumen am Straßenrand

Fest steht aber, dass nicht automatisch jede Variante der Sharing Economy eine gute Sache ist. Vom ursprünglichen Ansatz, die traditionelle Wirtschaft durch die informelle Wirtschaft des Teilens zu entmonopolisieren, haben sich Anbieter wie AirBnB, Uber und DriveNow weit entfernt – schon allein deshalb, weil es sich weniger um ein Sharing- als um ein Mietkonzept handelt. Geld wird jetzt einfach mit der Teilfreudigkeit der User gemacht, ansonsten fließt der Profit wie gehabt an einen Konzern. „Plattform-Kapitalismus“ nennt das Sascha Lobo.

Teilen ist dann am sinnvollsten, wenn es im Rahmen lokaler Initiativen geschieht

Eine wirklich sinnvolle Struktur für das Teilen besteht der US-amerikanischen Anwältin und Sharing-Verfechterin Janelle Orsi zufolge daher auch nicht in riesigen kommerziellen Plattformen, sondern in lokalen Initiativen, die sich selbst organisieren. So können Sharing-Aktivitäten multipliziert werden, ohne dass die Wertschöpfung die Gemeinden verläßt.

Und wir? Sollten einfach mal ein bißchen mehr teilen. Der Gründer der US-Verschenkbörse yerdle schlägt zum Beispiel vor, vor dem nächsten Kauf drei Freunde und Bekannte anzurufen und zu fragen, ob sie den gewünschten Gegenstand nicht zufällig besitzen – und ihn verleihen würden. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden sie ja sagen.

Weitere Informationen zum Thema Teilen:

http://www.zeit.de/2014/43/sharing-economy-kapitalismus-wettbewerb – Artikel über die Sharing Economy als neue Spielart des Kapitalismus

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/sascha-lobo-sharing-economy-wie-bei-uber-ist-plattform-kapitalismus-a-989584.html – Artikel zum Begriff des Plattform-Kapitalismus

http://storyofstuff.org/podcasts/sharing-part-one/ – Podcast eines Interviews der Initiative „The Story of Stuff“ mit dem yerdle-Mitgründer Adam Werbach (in englischer Sprache)

http://storyofstuff.org/podcasts/sharing-part-two-start-sharing/ – Podcasts eines Interviews der Initiative „The Story of Stuff“ mit der Sharing-Verfechterin Janelle Orsi (in englischer Sprache)

Sharing-Initiativen und -Adressen:

  • Oft gibt es lokale facebook-Gruppen, Give-Boxen und Tauschbörsen, bei denen man als registrierte/r oder unregistrierte/r UserIn Dinge teilen, tauschen und verschenken kann.
  • Die Sticker von Pumpipumpe aus der Schweiz – bei monomeer.de erhältlich – klebt man sich an den Briefkasten. Die Nachbarn wissen aufgrund der abgebildeten Gegenstände, was man verleiht.
  • Online-Plattformen gibt es viele, ob kommerziell oder nicht, mit Leihgebühr oder ohne. http://www.lets-share.de listet viele davon auf und veröffentlicht sogar eine Zeitschrift zum Thema, „share“.

Viel Schaum um nichts – Duschgel als Ausdruck unseres Zeitgeists

Werde ich gefragt, wie man im Alltag am leichtesten Plastikverpackungen vermeiden und den Inhalt seines Plastikmüllbeutels am sichtbarsten reduzieren kann, dann sage ich immer: Ein Seifenstück statt Duschgel! Während das Duschgel in einer voluminösen Hartplastikverpackung kommt, wird Seife entweder gar nicht oder in Papier verpackt. Klarer Sieg nach Punkten für die Seife.

Und zwar nicht nur hinsichtlich des Verpackungsmülls, den sie erzeugt. Seife hat auch weniger Inhaltsstoffe als Duschgel, wodurch der sich waschende Mensch weniger Gefahr läuft, Hautirritationen zu erleiden. Seife beinhaltet kein Mikroplastik – zumindest ist mir das nicht bekannt -, während zahlreiche Duschgele die kleinen Plastikkügelchen mit sich bringen, die unsere Haut geschmeidiger und uns zehn Jahre jünger aussehen lassen sollen, letztlich aber nur unser Abwasser verschmutzen – und unsere Umwelt. Zu guter Letzt, aber nicht zu vernachlässigen: Seife kann in der Reisetasche nicht auslaufen.

Seife spielt bei der Körperpflege keine Rolle mehr

Trotz dieser auf der Hand liegenden Vorteile des Seifenstücks sind viele Menschen ganz erstaunt, dass man auch mit Seife duschen kann. Ganz als gäbe es ein Gesetz zur funktionalen Trennung von Körperpflegemitteln, wird das Duschen dem Duschgel vorbehalten, während Seife … nun ja … irgendwie mit Katzenwäsche assoziiert wird. Seife spielt bei der täglichen Pflegeroutine kaum noch eine Rolle. Die viele Jahrhunderte lang währende Erfolgsgeschichte der Seife in Hygiene und Körperpflege scheint beinahe in Vergessenheit geraten zu sein.

Mangels Duschgels war es nämlich schon im alten Ägypten eine Seife, die als heilig galt und mit der man ganze Tempel, Kleidung, Möbel, und ja, auch den Körper wusch, um von der nicht nur physischen, sondern auch von einer angenommenen spirituellen Kraft der Seife zu profitieren. Priester tranken die Seife, die aus Natron bestand, bisweilen sogar.[1]

Zur Hochburg der Seifenverwendung und -herstellung wurde ab dem späten 16. Jahrhundert England, wohin man Seifen nicht nur in hoher Stückzahl importierte,[2] sondern diese dort zunehmend auch selbst herstellte – die Grundlage des nach wie vor hervorragenden Rufs englischer Seifen, etwa der Traditionshersteller Bronnley und Penhaligon’s. Bereits Mitte des 17. Jahrhunderts gehörte Seife in England zu den acht „necessities“, die in jedem Haushalt vorrätig sein sollten.

Geduscht hat man damals jedoch noch nicht. Wenn sich jemand mit Ganzkörperbädern reinigte, dann war das die Oberklasse – und selbst die hatte in diversen Epochen aus Angst vor den möglichen Schäden, die man durch Wasser nehmen könne, nur begrenzt Freude daran. Der gewöhnliche Europäer wusch sich wenn, dann aus Waschschüsseln heraus; lange Zeit galt auch das Wechseln der Unterwäsche – die bei den unteren Klassen natürlich in weit geringerer Stückzahl vorhanden war als etwa beim Adel – als ausreichende Hautpflege.

Zwar hatten schon die alten Griechen das System der Duschen – also des Abbrausens des Körpers mit Wasser – gekannt, aber in der jüngeren Geschichte erreichte es erst im Laufe des 19. Jahrhunderts einen gewissen Status bei einem größeren Teil der Bevölkerung. Seinen Ursprung hat das Duschen der Moderne in Einrichtungen, bei denen man schnell und effektiv Menschen reinigen wollte, etwa um Epidemien vorzubeugen: bei der Armee und in Gefängnissen. Erprobt wurde die Dusche erstmals 1860, und zwar in einem Regiment. Da es nur einen einzigen Brausekopf gab, den sich drei Soldaten gleichzeitig teilen mußten, dauerte es zwei Wochen, bis alle einmal dran gewesen waren. Immerhin wurde der Duschstrahl von einer außenstehenden Person gesteuert, sodaß das Duschen von vornherein mit einem knappen Zeitrahmen versehen und somit auf die einzelne Person gerechnet äußerst effektiv war.[3]

Duschgel ist eine Erfindung der Konsumgesellschaft

Ein Duschgel gab es damals immer noch nicht; erst nach dem Zweiten Weltkrieg war es überhaupt erhältlich. In den 1950er Jahren kam es wie das Deodorant aus den USA zu uns, wobei sich sein Verbrauch aufgrund oft fehlender Badewannen und Duschen sowie des umständlich anzuheizenden Badewassers in Grenzen hielt. Eine ältere Dame, die in den 1960ern als Sekretärin in London arbeitete und täglich den Vorortzug nahm, berichtete mir einmal, dass mit Fortschreiten der Woche die Ausdünstungen der Mitreisenden bisweilen kaum noch auszuhalten waren: Nur am Sonnabend wurde gebadet, und da Deos sich noch nicht durchgesetzt hatten, stieg die Geruchsbelästigung bis zum Freitag kontinuierlich an.

Heute dagegen ist das Bild ein vollkommen anderes. In den Regalen der Supermärkte und Drogeriegeschäfte reiht sich ein Duschgel an das andere. Seifen befinden sich nicht selten im unteren Regalboden, während Duschgele in Augenhöhe präsentiert werden und mit viel poppigeren Farben, irrisierenden Etiketten und fantasievollen Namen aufwarten. Duschgel hat die Seife als Reinigungsmittel abgelöst: „Im Jahr 2014 gab es in der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahre zum Zeitpunkt der Erhebung rund 63,59 Millionen Personen, die in den letzten 7 Tagen Duschzusatz oder Duschgel verwendet hatten.“[4] 63 Millionen – das ist fast jede/r Deutsche, die/der selbständig eine Dusche bedienen kann.

Regal mit Duschgels im Müller Drogeriemarkt
Regal mit Duschgelen im Müller Drogeriemarkt

Warum Duschgel so beliebt ist, müßte einmal in einer Umfrage geklärt werden. Neben der unendlichen Vielfalt an Düften, die Duschgele im Verhältnis zu Seifen haben und die Abwechslung in die tägliche Körperpflege bringen, ist es vielleicht auch die Tatsache, dass Seife in der Seifenschale oder in der Duschablage etwas mehr Reinigungsaufwand erfordert. Abgesehen von praktischen Erwägungen aber scheint das Duschgel fast symptomatisch für eine Reihe von Erscheinungen der Jetztzeit zu sein.

Wir duschen, reinigen und pflegen uns so oft wie nie zuvor. Die meisten von uns duschen täglich, teilweise auch mehrmals; der Wasserverbrauch für das Baden und Duschen ist aktuell so hoch wie noch nie. Die „Lust an der Körperpflege“[5] ist groß und sicher auch ein Zeichen für die Individualisierung. Denn indem wir ständig Körperpflege betreiben, beschäftigen wir uns permanent mit uns selbst: „In gewisser Weise stehen der Körper und die Beobachtung seines Befindens nur stellvertretend für eine ständige Introspektion, für eine dauernde Beschäftigung mit dem Ich (…)“. [6]Das Duschgel ist ein Dienstleister dieser Individualisierung, schon weil die vorhandene Vielfalt in den Regalen ein sorgfältiges Auswählen erfordert. Die Zeit, die wir allein für die Entscheidung benötigen, womit wir uns als nächstes duschen wollen, und die Bedeutung, die wir dadurch diesem eigentlich ganz einfachen Vorgang beimessen, ist absurd.

Wir wollen nicht nur sauber sein, sondern klinisch rein

Unendlich peinlich wäre es uns, wenn jemand unseren Körpergeruch wahrnehmen und denken würde, wir wären ungepflegt. Duschgel leistet da mit seinem im Verhältnis zum Seifenstück unendlich stärkeren Geruch einen treuen Dienst. Indem die künstlichen Duftmoleküle des Duschgels so konstruiert sind, dass sie auch lange nach dem Duschen auf der Haut haften und wahrnehmbar sind, teilen wir uns und unserer Umwelt mit, dass wir geduscht haben und sauber sind. Tatsächlich ist die Toleranz für starke Gerüche Studien zufolge in den wohlhabenden Ländern immer weiter gesunken.[7] „Es kommt ein Zivilisationsprozeß in Gang, der zu einer ständigen Verfeinerung und Differenzierung des Empfindens führt.“[8]

 

Duschgel glänzt und glitzert und verspricht so einige Nebeneffekte. Notfalls zaubert es.
Duschgel glänzt und glitzert und verspricht so einige Nebeneffekte. Notfalls zaubert es.

Mit Duschgel haben wir – auch wegen des starken Duftes – eher den Eindruck, wirklich sauber zu sein. Denn Duschgel schäumt stärker und fließt, wie in so mancher TV-Werbung bildmächtig eingefangen, in sahnigen Häufchen den ganzen Körper hinab. Die im Duschgel verarbeiteten Zusatzstoffe machen uns nicht wirklich sauberer – aber sie geben uns das Gefühl, sauberer zu sein. Das Benutzen von Duschgel ist in gewisser Weise ein Über-Reinigen. Wir wollen uns nicht mehr nur waschen, sondern am besten desinfizieren und klinisch rein sein. Vom Grundgedanken her ist Duschgel nicht allzu weit von Sagrotan entfernt. Interessanterweise wurde zuerst in Deutschland das Phänomen beobachtet, dass ausgerechnet jene Kinder vermehrt mit Allergien und Autoimmunkrankheiten zu kämpfen haben, in deren Umfeld auf peinliche Sauberkeit geachtet wird, die kaum mit Schmutz in Berührung kommen und die nie einen Bauernhof von innen gesehen haben.[9]

Selbstkontrolle und Selbstoptimierung durch Duschgel

So ist Duschgel im Bereich der Körperpflege die Möglichkeit zur Selbstkontrolle und zur Selbstoptimierung[10], es ist eine „aesthetic form of self control“. [11] Wir kontrollieren unsere Wirkung nach außen – und sind gleichzeitig extrem effektiv bei der Körperpflege. Duschgel kommt gebrauchsfertig aus der Flasche und enthält meist noch ein paar Zusatzfunktionen für weiche Haut, gegen Cellulite und Hautalterung, für die Duchblutungsförderung oder für die besondere Pflege nach dem Sport. Duschgel kann vieles auf einmal und hilft uns dadurch, auch die Körperpflege noch zu optimieren. Der Trend geht schon lange hin „zum gesunden, nützlichen, leistungsfähigen Körper“[12], und den erhalten wir nun mal auch mit der richtigen Körperpflege.

Das Duschgel ist ein Ersatz für das Spa-Wochenende

Dabei soll Schönheitspflege ja stets auch zur Entspannung beitragen und eine Belohnung für unseren immer härter werdenden Arbeitsalltag sein. Das Duschgel mit Kaschmir oder mit Perlenextrakt ist da natürlich eher Balsam für die Seele als die Seife mit Latschenkiefer. Das Duschen befindet sich schon allein zeitlich in enger Nähe zu dem, was uns streßt und Sorgen bereitet. Wir duschen am Morgen vor der Arbeit, nachdem wir uns mühsam aus dem Bett geschält haben und uns ohne Dusche gar nicht „wie ein Mensch“ fühlen. Oder wir duschen nach der (körperlichen) Arbeit, und wollen die Anspannung förmlich wegspülen.

Duschgel kann jede Stimmung, sogar glamourös.
Duschgel kann jede Stimmung, sogar glamourös.

Duschen ist eng mit unserem modernen Arbeitsleben verknüpft. Und gerade für jene, die keine Badewanne zu Hause haben, in der sie genüßlich in Schaumbergen planschen können, und die es sich nicht leisten können, ins Wellnesswochenende oder in den Spa-Aufenthalt zu fahren, erhält Duschgel eine wichtige Rolle: In den 15 Minuten, in denen wir im Alltag kuschlige Wärme und Wohlbefinden spüren – nämlich unter der Dusche – wollen wir für uns das beste rausholen. Mit einem exotischen Duft, einer cremigen Konsistenz und vielleicht mit dem Gefühl, gerade unter einem karibischen Wasserfall zu stehen.

Auch dazu noch ein Wort. Wasser hat für uns – ganz zu Recht – eine enorme Bedeutung. Seine Wirkung auf uns ist uns so wichtig, dass es uns, aus der Leitung kommend, nicht sauber genug erscheint und wir auf Flaschenwasser zurückgreifen. Gleichzeitig ist uns die Verschmutzung, die wir durch unsere Duschgele und die darin befindlichen Tenside, Farb- und Duftstoffe mitverantworten, vollkommen egal.[13]

Mit Seife, vor allem wenn sie aus biologisch angebauten Inhaltsstoffen besteht, kann das nicht passieren. Schöne Düfte, Formen und Farben gibt’s auch. Fazit: Seife statt Duschgel!

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Link zur BUND-Liste von Kosmetikartikeln, die Mikroplastik enthalten:

http://www.bund.net/fileadmin/bundnet/pdfs/meere/131119_bund_meeresschutz_mikroplastik_produktliste.pdf

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[1] Virginia Smith: Clean. A History of Personal Hygiene and Purity. Oxford 2007, S. 56.

[2] Ebda., S. 192.

[3] Georges Vigarello: Wasser und Seife, Puder und Parfüm. Geschichte der Körperhygiene seit dem Mittelalter. Frankfurt am Main u.a. 1988, S. 261.

[4] statista.com

[5] Vigarello, S. 267.

[6] Wolfgang Kaschuba: „Deutsche Sauberkeit“ – Zivilisierung der Körper und der Köpfe, in Vigarello, S. 292-326, hier S. 315.

[7] Smith, S. 15.

[8] Vigarello, S. 267.

[9] Smith, S. 349.

[10] Vigarello, S. 267.

[11] Smith, S. 345.

[12] Kaschuba, S. 312.

[13] Smith, S. 346.

Heute weniger Plastik – was hält Dich davon ab?

Wir sind nicht perfekt. Bei unserem Versuch, mit weniger Plastik auszukommen, sind wir es nicht. Und in unserem sonstigen Mensch-Sein schon gar nicht.

Es passiert Dir vielleicht, dass Du im Supermarkt doch nach der Plastiktüte gegriffen hast. Du hattest nichts anderes dabei. Hast Dich nicht getraut, im Laden einen Karton aus dem Regal zu mopsen und als Korb zu benutzen. Kamst Dir albern dabei vor, das Obst wie ein Baby im Arm nach Hause zu tragen, und dann 19 Äpfel auf den Gehweg fallen zu lassen. Während der heiße Typ von nebenan vorbeiläuft – ohne Dir zu helfen, natürlich.

Oder die Milch, die Du doch lieber im Tetrapack kaufst statt in der Pfandflasche. Denn die in der Flasche könnte schlecht werden. Die Flasche könnte platzen. Die Flasche ist schwer. Die Flasche ist teurer. Die Flasche muß man zurückbringen. Und vielleicht schmeckt die Milch in der Flasche sogar mehr nach Kuh. Uh.

Wäre da noch der Pulli mit Polyesteranteil.

Ist zwar in China hergestellt. Ist zwar Plastik drin. Aber er sieht doch so toll aus. Und bezahlbar ist er. Müffeln Second-Hand-Teile nicht immer ein bißchen? Und morgen brauch ich ja auch was Neues ins Büro. So viel hab ich diesen Monat noch gar nicht gekauft. Ist auch eh eine Ausnahme. Und ich hab gestern so viel gearbeitet. Da will ich mir einfach mal was gönnen.

Das ist die eine Realität unseres Alltags. Die andere ist: Jede und jeder Deutsche verbraucht pro Jahr 117 Kilogramm Plastik. Der Plastikkonsum steigt jedes Jahr, auf der ganzen Welt. Für das Erdöl, aus dem unsere Tomatenverpackung gemacht ist, werden Kriege geführt. Plastik verrottet nicht. Nicht mal die Hälfte des Plastiks wird recycelt. Plastik schwimmt in dem See bei Dir in der Nähe, in dem Fluß bei Dir in der Nähe, und in dem Meer, an das Du im Sommer fährst, sowieso.

Das Problem: Das alles weißt Du.

Du hast schon so viel darüber gelesen, und eigentlich wolltest Du schon immer mal was ändern. Den Stoffbeutel mitnehmen und die eigene Tasse für den coffee to go, und natürlich kein Duschgel „Dark Diamond & Jadeblüte“ mehr kaufen. Weil Du eigentlich weißt, dass da keine Diamanten drin sind, und Jadeblüte schon gar nicht. Dafür ne Menge Chemie, in Plastik verpackt.

Einfach zugreifen?
Einfach zugreifen?

Aber wir sind halt manchmal bequem. Wir haben gewisse Ansprüche. Wir sind neugierig, wie das Duschgel riecht. Und wieso sollten wir verzichten, wenn so viele andere es nicht tun? Wieso soll ausgerechnet ich Verantwortung übernehmen?

Hier kommt der Tritt in den Po.

Tu es einfach. Aus welchen Gründen auch immer, reduziere Deinen Plastikkonsum. Ob Du keine Weichmacher mehr an Deinem Essen willst, kein Plastik in der Babyrobbe oder ob Du einfach nur einen Battle mit dem Nachbarn laufen hast, wer den kleineren (Gelben Sack) hat: Tu es. Und fang heute damit an. Morgen hast Du diesen Text schon wieder vergessen. Und Deinen Stoffbeutel sowieso.

Mit dem Plastikeinsparen ist es wie mit allen Dingen, die wir immer schon mal tun wollten, aber dann doch nie auf die Reihe kriegen (a.k.a. die Treppe statt des Aufzugs nehmen, eine Weltreise machen, kündigen). Sie tun erst mal weh, man muß sich echt Gedanken darüber machen, man schweift immer wieder ab – und schwups, schon ist der gute Vorsatz vergessen. Aber mit der Zeit hat man den Dreh raus, und es kommt der Spaß.

Du bist eine Suchtpersönlichkeit und kommst von dem Zeug nicht runter? Dann hilft auf alle Fälle der kalte Entzug – ab sofort kein Plastik mehr, in Worten: KEINS. Und es hilft vielleicht ein Team an Gleichgesinnten. Wie wäre es, wenn Du ein paar Freunde und Kollegen challengst? Geteiltes Leid ist halbes Leid – und doppelte Müllersparnis.

Alle anderen dürfen auch nach und nach reduzieren. Auch wenn die Gefahr des Rückfalls dann höher ist. Aber es ist ein Anfang, zu sagen: Ab heute keine Tetrapacks mehr. Und ab nächster Woche dann auch kein Wasser in Plastikflaschen. Das ist besser als nichts und sogar schon eine ganze Menge.

Man hat immer eine Wahl.
Man hat immer eine Wahl.

Die Belohnung?

Ein arschgutes Gefühl. Plastikvermeidung fühlt sich einfach geil an. Es ist schön, vom Einkaufen zu kommen und NULL Müll zu haben. Es ist schön, nur alle paar Monate den Gelben Sack wegbringen zu müssen statt wie früher ständig. Es ist unheimlich befriedigend, zu wissen, dass man der Welt ein kleines bißchen von diesem Schrott namens Plastik erspart hat – und damit auch sich selbst.

Es ist auch schön zu wissen, dass man mit weniger Dingen sehr gut zurechtkommt. Das abgefahrene Duschgel brauchst Du nicht, auch wenn es die Werbung Dir sagt. Du brauchst auch keinen Nagellack, oder Crocs, oder 10 Fleecejacken. All das wird Dir in unserer Konsumgesellschaft zwar pausenlos eingetrichtert, aber sei Dir sicher: Du kommst auch ohne aus. Es ist unheimlich befreiend, diesen ganzen Quatsch nicht mehr zu kaufen und zu Hause rumstehen zu haben, um dann damit Dinge zu tun, die wahnsinnig viel Zeit kosten (Nägel lackieren zum Beispiel).

Es ist schön, dass das Leben einfacher wird ohne Plastik. Es erleichtert ungemein, weniger zu haben. Weniger Dinge, und damit auch weniger Müll.

Und es ist schön, mit diesen schönen Gefühlen ins Bett zu gehen. Denn am Ende zählt nur das, was man getan hat, und nicht das, was man nicht getan hat.

Willst Du wirklich weiter an diesem Wahnsinn namens Plastikverpackungen beteiligt sein?

Wahllos einkaufen, Dich hingeben? Oder bist Du ein aufgeklärter Mensch, der rational handelt?

Antwort Nummer 1: Gib Dich lieber Deiner Freundin hin, oder Deinem Hobby Laubsägen. Aber bitte nicht den eingeschweißten Gurken im Kaufland.

Antwort Nummer 2: Irrational wäre es, Dinge aus Plastik einzukaufen, obwohl Du genau weißt, wie scheiße die sind.

Also beweg Deinen Hintern und tu was.

Am Ende Deines Lebens möchtest Du Dich nämlich umdrehen und zurückschauen und sagen können: Ich habe meinen kleinen Teil geleistet. Ich hatte ein Ideal, nach dem ich gelebt habe. Ich hatte Prinzipien, die mir wichtig waren, und die ich vor anderen vertreten habe, ohne dass es mir peinlich war. Ich habe mir ein Ziel gesetzt und es erreicht.

Obwohl es manchmal schwer war.

Wenn es Dein Prinzip war, Plastik zu vermeiden, umso besser. Worauf wartest Du also? Auf die anderen? Du bist nicht die anderen, hat mein Vater immer zu mir gesagt. Losgehen mußt Du schon alleine – und dann kannst Du die anderen mitnehmen.

Du hast nur dieses eine Leben. Und nur diesen einen Planeten. Also: Fuck plastics!

Über Plastikfrei-Experimente, die übers Ziel hinausschießen

Also prinzipiell finde ich es ja gut, wenn Leute ausprobieren, was gut ist für sie und was nicht. Das gilt auch für neue Dinge. Auch für ein plastikfreies Leben. Gerade für ein plastikfreies Leben! Erst neulich habe ich einer jungen Frau davon erzählt, wie ich Plastik einspare, woraufhin sie sagte: Das probiere ich jetzt auch, für die nächsten vier Wochen. Und dann sehe ich, ob ich weitermache.

Sowas finde ich klasse. Besser, man probiert etwas für vier Wochen, als es gar nicht zu probieren. Wenn das Experiment schlecht läuft, muß man nichts bereuen. Und wenn es gut läuft, hat man etwas Neues für sich entdeckt, was gelernt und sein Leben bereichert.

Es gibt solche Experimente … und solche

Bei manchen Experimenten bin ich mir aber nicht so sicher, wie ich sie finden soll. Vor einiger Zeit habe ich zum Beispiel einen Artikel gelesen, in dem der Autor beschrieb, wie er eine Woche ohne Plastik leben wolle. Ich dachte, gut, eine Woche, den meisten Problemen, die ein plastikfreies Leben so mit sich bringt, kann man da locker aus dem Weg gehen, aber hey – besser als nichts! Wenn Leute den Artikel lesen und dadurch über das Thema nachdenken, umso besser.

Der junge Mann verzichtete in dieser plastikfreien Woche aber nicht nur auf seine Käseverpackung. Er verzichtete auch, nun ja, aufs Busfahren, denn schließlich ist im Bus Plastik verbaut. Auch hatte er festgestellt, dass sein Bettgestell auf Plastikfüßen ruht, weshalb er sich mit dem Gedanken trug, sein Bett zu entsorgen. Wahrscheinlich konnte der junge Mann eine Woche lang auch keine Schlüpfer tragen, Elasthan und so. Erwähnt hat er das zwar nicht. Aber wer weiß? Der junge Mann machte einen konsequenten Eindruck.

Um darauf hinzuweisen, wie weit Plastik verbreitet ist und dass so viele der uns umgebenden Gegenstände Kunststoff enthalten, wenn auch versteckt, ist so ein Artikel sicher klasse. Oft ist uns gar nicht bewußt, wie sehr unser Planet einer aus Plastik und unser Leben bestimmt vom Plastik ist. Plastik ist allgegenwärtig, und wir nehmen es oft gar nicht war. Und ja: Wollen wir das Problem wirklich angehen, reicht es natürlich nicht, den Käse ohne Plastikfolie zu kaufen. Es müssen globale Lösungen her, die nicht nur an der Oberfläche kratzen, sondern das Plastikproblem bei seinen Wurzeln packen. Wir brauchen andere Werkstoffe, die uns ein modernes Leben ermöglichen, ohne uns die Lebensgrundlage abzugraben. Denn zur Arbeit laufen, weil man den Bus boykottiert (und das Fahrrad!), oder den mitteleuropäischen Winter ohne Schlüppis bestreiten, das hat man zuletzt im Mittelalter gemacht. Beides mit der Folge, dass das Mittelalter seitdem als finster bezeichnet wird.

 

Was, wenn der Bus nicht kommt?
Lieber nicht in den Bus einsteigen – weil Plastik drin ist?

Die Durchdringung unseres Alltag mit Plastik demonstrieren, dafür sind solche Experimente also gut geeignet. Um jedoch anderen Menschen zu zeigen, dass ein plastikfreies oder –armes Leben möglich und absolut machbar ist, ja sogar Freude bereitet, taugen solche Experimente nichts. Es ist zwar toll, hehre Ziele zu haben, und das heißt beim plastikfreien Leben durchaus: Produktionsketten noch einen, gerne auch zwei oder drei Schritte weiterdenken. Beim Kaffee zum Mitnehmen also nicht nur den eigenen Becher mitbringen, sondern auch mal schauen, aus welcher Verpackung in der Kaffeebar die Milch kommt (wahrscheinlich aus dem Tetrapak). Beim Bierkaufen nicht nur auf Pfandflaschen achten, sondern auch darauf, wieviele Kilometer diese bis in den Supermarkt zurückgelegt haben. Und beim Busfahren mal kritisch hinzuschauen, woraus der eigentlich so fabriziert ist.

Wenn Experimente “Alles oder nichts” fordern, gehen sie am Thema vorbei

Aber hehre Ziele hin oder her, inzwischen kennen wir uns doch: Wenn der Berg zu hoch ist, haben wir manchmal gar keine Lust, hinaufzusteigen. Käse ohne Verpackung zu kaufen kann schon eine echte Herausforderung sein – und dann soll ich auch noch aufs Busfahren verzichten? Der ein oder andere kriegt da schnell schlechte Laune. Und ich kann’s verstehen.

Nicht nur ist der ÖPNV ein denkbar schlechtes Beispiel, um seinen Plastikfrust auszuleben. Denn er ist ja eine prima Sache, um vielen Menschen eine komfortable Reise von A nach B zu ermöglichen – und zwar ohne Auto (in dem Plastik drin ist), zusätzlichen Sprit (in dem Erdöl drin ist) oder Duftbäume (ästhetisch hoch fragwürdig).

Schnell gilt Plastikvermeidung als extreme Lebensform

Zudem rückt Plastikvermeidung mit solchen lebensfernen Experimenten auch schnell in die Psycho-Ecke und erhält das Image, eine extreme Lebensform zu sein. Etwas, was man belächeln, aber nicht ernst nehmen kann. Etwas für Spinner, die viel Zeit haben, und zu wenig andere Probleme. Unvergessen ist mir etwa der Shit-Storm, den auf Spiegel Online ein Artikel über eine plastikfrei lebende Familie auslöste. Wer ein Beispiel für die dunkle Seite Deutschlands wollte, mußte auf den Kommentarseiten nicht lange suchen. Nicht falsch verstehen: Wer plastikfrei lebt, sollte dies nicht verstecken, im Gegenteil. Shit-Storms sollten uns nicht davon abhalten. Aber ein plastikfreies Leben dergestalt zu beschreiben, dass der Leser denkt, er müsse Plastik vermeiden wie der Teufel das Weihwasser, zieht ohne Not Abwehrreaktionen auf sich.

Solche umfassenden Verzichtsprogramme wie jenes im Experiment hinterlassen beim Leser außerdem das diffuse Gefühl, vor einem Berg unlösbarer Probleme zu stehen – und alleine nichts ausrichten zu können. Denn die Busse fahren ja trotzdem. Bewußt oder unbewußt wird vermittelt, dass Verzicht nur in seiner totalen Form sinnvoll ist und kleine Maßnahmen ohne Effekt bleiben. Ganz oder gar nicht, so lautet die vermeintliche Devise. Abgesehen davon, dass das der Motivationstöter par excellence ist: In letzter Konsequenz erhalten wir den Eindruck, dass unser Handeln unvollkommen ist, dass wir unvollkommen sind, ein kleines Rädchen nur. Doch wie beim Sport gilt: Jedes bißchen hilft. Besser etwas als nichts.

Alles kann, nichts muß

Ja, bitte, schreiben wir einen Brief an die Stadtwerke, damit zukünftig kein (fossiles) Plastik mehr in ihren Bussen verbaut wird. Das ist eine gute Idee. Grundsätzlich sollten wir alle mehr von uns verlangen. Denn es geht uns gut, und wir können schmerzfrei auf viele Dinge verzichten und viele Dinge tun. Was wir aber auch dringend brauchen ist Ermunterung, Ermutigung und Inspiration und eine authentische Darstellung plastikfreien Lebens. Dieses kann so aussehen, dass ich alle Gegenstände aus Plastik entsorge und durch plastikfreie Alternativen ersetze. Aber es kann auch so aussehen, dass ich einfach kein neues Plastik mehr kaufe. Und mein Bett, meinen Bus und meine Schlüppis behalte und diese einfach ein bißchen länger benutze. Alles kann, nichts muß.

Kann man machen: Müsli

Das Selbermachen gilt als die Königsdisziplin der Müllvermeidung. Wer etwas fertig im Laden kauft, kauft meist auch eine Verpackung mit dazu. Das Selbermachen zu Hause ist wahrscheinlich nicht 100% müllfrei, denn auch die Sachen, aus denen man selbst etwas herstellt, waren eventuell einmal verpackt. Aber Müll reduzieren, das kann man schon. Außerdem hat man mit seinen eigenen Händen etwas produziert, weiß, was drin ist, und das Ergebnis ist oft auch zufriedenstellender als das im Laden erworbene Pendant.

Müslizutaten

Beim Selbermachen von Lebensmitteln denken viele an lange Herstellungsprozesse, komplizierte Zutaten und einen erweiterten Immobilienbesitz, um erfolgreich zu sein – siehe Sauerkraut oder Whiskey beispielsweise. Hingegen vollkommen unkompliziert und schnell und daher für den Einstieg ins Selbermachen geeignet ist das eigene Müsli. Müsli ist ein No-Brainer der Eigenproduktion, und hat einige Vorteile: Man kann sich seine eigenen Lieblingszutaten zusammenwürfeln, ohne ins Müslifachgeschäft gehen zu müssen, mit dem schönen Nebeneffekt, dass keine Müsliverpackung aus Plastiktüte, Pappkarton oder Papprolle mit Plastikdeckel anfällt.

Damit der Müllberg nicht trotzdem wächst, sollten auch die Zutaten fürs Müsli unverpackt ins Haus kommen.

Müsliglas

Wir benötigen:

  • 150 Gramm Haferflocken als Grundlage (diese gibt es in der Papiertüte in jedem Supermarkt)
  • etwa drei Eßlöffel Agavensirup (aus der Glasflasche)
  • und idealerweise mindestens drei verschiedene weitere Zutaten nach eigenem Belieben: gehackte Mandeln und Nüsse, Rosinen oder andere Trockenfrüchte, Kokosflocken, Sesamkerne, Kürbis- oder Sonnenblumenkerne sowie 1 Teelöffel Zimt (Trockenfrüchte, Nüsse und Kerne sind auf vielen Wochenmärkten oder im Unverpackt-Laden lose erhältlich, Kokosraspel im Unverpackt-Laden)

Grobe Dinge wie Nüsse und Mandeln werden grob gehackt, die Trockenfrüchte ebenfalls in kleine Stückchen geschnitten.

Die Haferflocken werden in einer Schüssel mit dem Agavensirup, dem Zimt, Nüssen, Mandeln, Kernen und Kokosraspeln vermengt. Lediglich die geschnittenen Trockenfrüchte bleiben zunächst auf der Zuschauertribüne.

Die Mischung wird auf einem Backblech verteilt (Backpapier ist eigentlich nicht nötig) und bei 180 Grad 25 Minuten lang (oder bis die eigene Röst- oder Knuspervorliebe erreicht ist) gebacken.

Müsli

Abkühlen lassen und die geschnittenen Trockenfrüchte hinzufügen. Nun alles in ein Aufbewahrungsbehältnis füllen und jeden Morgen zum Beispiel mit Joghurt aus dem Pfandglas und frischen Früchten genießen. Et voilà.

Verpackungs-Overkill im Bio-Supermarkt. Eine Kritik.

Als 1971 der erste Bioladen in Deutschland aufmachte – das „Peace Food“ in Berlin-Schöneberg -, gab es dort hauptsächlich Körner, Trockenfrüchte und Müsli. Die Produkte waren vegetarisch, und die Kundinnen und Kunden füllten sie aus Säcken und Körben in der Regel selbst ab. Das Erscheinungsbild der bald auch andernorts entstehenden Bioläden war … nun ja … ursprünglich: die Verpackungen einfach und funktional, das Sortiment begrenzt, die Läden mit selbstgebauten Möbeln bestückt und hier und da bunt ausgemalt. Bioläden hatten das Image, etwas muffig und öde zu sein. Müsli eben.

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In heutigen Bio-Supermärkten ist von all dem nicht viel übrig geblieben. Das Sortiment läßt kaum noch Wünsche offen: Neben vegetarischen Produkten wird auch Wurst und Fleisch angeboten, Fertigpizza gibt es ebenso wie Vitamindrinks; nicht mehr nur „peace food“ (also alles außer Fleisch und Milch) steht im Regal, sondern auch „processed food“. Die Läden sind nicht mehr bunt, sondern nur noch farbig, und das gerade so, dass sie noch ins Bio-Schema passen, also grün und beige. Obendrein werden die Produkte nicht mehr aus Säcken und Kartons abgefüllt, sondern sind abgepackt erhältlich.

Unterwegs in einer Glitzerwelt

Abgepackt, das heißt im Bio-Supermarkt jedoch nicht selten: unnötig eingewickelt und in Plastik eingeschweißt, mit zusätzlichen Folien, Deckeln und Kartons. Teilweise mehr noch als in herkömmlichen Supermärkten hinterläßt der Besuch in Bio-Ketten den fahlen Beigeschmack, in einer Glitzerwelt unterwegs zu sein. Den Pfefferminz-Tee, der im Normalo-Markt ohne Umverpackung aus Plastikfolie zu haben ist, bekommt man im Bio-Laden eingeschweißt angeboten. Mehl und Zucker sind nicht einfach nur in einer Papiertüte eingepackt wie üblich, sondern haben kleine Sichtfenster aus Plastik. Und wer Couscous im Karton möchte statt in einer Plastiktüte, der ist bei Edeka mitunter besser aufgehoben als bei Alnatura.

Wer also jene Ursprünglichkeit sucht, mit der die ersten Bio-Läden als Alternative zu den großen Ketten einmal angetreten waren, ist im Bio- meist nicht besser beraten als im konventionellen Supermarkt. Ein bemerkenswerter Befund, wenn man bedenkt, dass Bio-Läden das Image haben, irgendwie „besseren“, nachhaltigeren und verträglicheren Konsum anzubieten als ihre ökologisch anspruchslose Konkurrenz.

Bio-Märkte wollen so sein wie konventionelle Märkte

Auf der Suche nach den Gründen für den Verpackungs-Overkill fiel mir jene Besucherin einer meiner vhs-Vorträge zum Thema ‚Plastikfreies Leben’ ein, die im Bio-Laden arbeitet und von Kundinnen und Kunden berichtete, die Produktpackungen im Laden aufreißen, um zu sehen, wie der Inhalt aussieht. Ich konnte das zunächst nicht glauben: Wer bitte öffnet – Notsituationen wie akuten Hunger und Durst ausgenommen – vor dem Kauf Lebensmittel? Doch wie die Bio-Laden-Mitarbeiterin versicherte, gibt es nach wie vor Menschen, die sicher gehen wollen, dass Bio-Zucker auch wirklich aussieht und riecht und krümelt wie Zucker, und die deshalb lieber noch mal nachgucken wollen. Müssen Bio-Läden also mehr als 40 Jahre nach ihrem Auftauchen in der Konsumwelt immer noch Überzeugungsarbeit leisten? Müssen sie beweisen, dass sie ganz normale Produkte verkaufen, die man zu Hause ganz normal verwenden kann? Anscheinend ja. In diesem Fall hilft ein Sichtfenster in der Mehltüte dem potentiellen Kunden natürlich schon mal bei der Entscheidungsfindung.

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Eventuell geht es aber gar nicht nur darum, die Kunden für Bio-Mehl und Bio-Zucker zu gewinnen. Vielleicht geht es ja eher darum, die Einkaufenden davon zu überzeugen, dass Bio-Supermärkte genauso normal sind wie herkömmliche Supermärkte. Was nicht sonderlich schwer fallen dürfte, denn das sind sie ja auch. Bio-Supermärkte, so scheint es, möchten sich nicht mehr von den konventionellen Märkten abheben. Sie wollen genauso sein, ein Abbild mit einem grünen Anstrich.

Bio soll praktisch sein

Wie ihre großen Brüder bieten Bio-Ketten zum Beispiel mehr und mehr Convenience-Food an. Kaffee gibt es zum Mitnehmen im Pappbecher mit Plastikdeckel, Nüsse sind in handlichen Snack-Größen in Plastikdosen verstaut, und für Kinder gibt es Fruchtpüree in der Einmalportion mit überdimensionalem Schraubverschluss – aus Plastik natürlich. Ein Unterschied zum konventionellen Supermarkt läßt sich hier vielleicht noch bei den Inhaltsstoffen erkennen, aber nicht bei der Produktidee an sich oder bei der Verpackung. Konventionelle Produkte werden nachgeahmt, denn Bio möchte heutzutage alles bieten können und genauso praktisch sein wie Nicht-Bio. Kundinnen und Kunden wollen nicht selbst einpacken, geschweige denn selbst Kaffee kochen, ja nicht mal mehr ins Café gehen und eine Tasse Kaffee trinken; sie wollen zugreifen und kaufen, also konsumieren. Und zwar schnell.

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Den Bio-Ketten kommt dies entgegen, denn anders als früher, als Bio-Läden noch ohne Gewinnstreben geführt wurden, haben Bio-Konzerne heute betriebswirtschaftliche Bedürfnisse, und dies ganz zu Recht. Waren werden nicht mehr nur verkauft, sie werden präsentiert, und dies natürlich auch mit Hilfe von Verpackungen. Diese machen Werbung und damit die Kreation von Marken ja erst möglich. Und Bio ist eine Marke. Verpackungen von Bio-Lebensmitteln sind vielleicht nicht so marktschreierisch wie die herkömmlicher Waren, aber auch Pastellfarben, Grün und Beige beinhalten eine Aussage. Wie Verpackungen konventioneller Lebensmittel sind sie ein Statement, eine Statusbekundung und ein Mittel zur Selbstvergewisserung – gegenüber anderen, aber auch gegenüber sich selbst. Denn dass ein Produkt bio ist, reicht heute offenbar nicht mehr aus. Es muss auch auf dem Produkt draufstehen. Bio-Ketten schwanken daher zwischen zwei Welten: Sie müssen sich zwar als bio zu erkennen geben, gleichzeitig aber wollen sie ihr Müsli-Image abstreifen und so sein wie alle anderen – teilweise bis zur Unkenntlichkeit.

Für sich selbst? Oder für die Umwelt?

Biedern sie sich den Kundinnen und Kunden damit vielleicht vollkommen unnötig an? Wollen diese gar nicht die ganzen praktischen Schälchen, den abgepackten Käse, die Plastikfolie, die so schön im Deckenlicht glänzt? Sicher kann man da nicht sein. Wenn im Bio-Supermarkt nach der Ananas aus Übersee gegriffen wird und die Bananen in eine Plastiktüte wandern, beschleicht einen schon das Gefühl, dass manch einer den Bio-Laden ausschließlich des eigenen Wohlbefindens wegen aufsucht, der Umweltschutz aber keine Rolle spielt. Wenn dem so ist, dann ist das Einkaufen bei der Bio-Kette purer Hedonismus, dann ist es das, was KundInnen von konventionellen Märkten auch tun: sich Wünsche erfüllen, Impulsen folgen, Konsequenzen des eigenen Handelns ausblenden. Von Altruismus keine Spur.

„Peace Food“, der Laden, der 1971 in Berlin das Bio-Zeitalter einleitete, mußte 2007 übrigens schließen. Nebenan hatte ein Bio-Supermarkt aufgemacht.

 

Ich brauch’ weniger: Eure Ziele, und die Gewinner stehen auch fest!

Vielen Dank für Eure Beiträge – sowohl die zum monomeer-Gewinnspiel wie auch die zur Müllvermeidung auf dieser Welt. Hier findet Ihr eine kleine Auswahl aus Euren Zielen, worauf Ihr in nächster Zeit verzichten oder wieviel Müll Ihr einsparen wollt. monomeer drückt die Daumen, dass es klappt! Die fünf Gewinner der monomeer-Gutscheine werden in den nächsten Tagen per E-Mail informiert.

Vi: 3 Monate strichcode- und plastikfrei einkaufen.

Sie sagt: “Wenn man mir vor einem Jahr gefragt hätte, ob ich Vegetarierin sein wollen könnte, hätte ich nur gelacht und nein gesagt. Jetzt bin ich Veganerin :D” … was Vi auch grundsätzlich zum Umdenken in Sachen Umwelt brachte. Das finden wir toll – und haben gleich noch einen neuen, ganz praktischen Begriff für verpackungsloses Einkaufen gelernt: strichcodefrei!

Anne: Keine Plastiktüten mehr.

Anne zieht derzeit um, und nutzt diese Veränderung clevererweise gleich für neue Gewohnheiten. Sie möchte keine Plastiktüten mehr benutzen und kein eingepacktes Obst und Gemüse mehr kaufen. Auch beim Umzug will sie möglichst wenig neues Plastik benutzen. Wir sagen: Alles neu macht der Mai.

Marion: Von einem gelben Sack pro Woche auf einen gelben Sack pro sechs Wochen.

Klingt viel? Ja, aber erstens ist Marion nicht allein zu Haus, und zweitens hat sie sich und ihrem Partner (bzw. ihrer Familie) ein beeindruckendes Programm auferlegt, das sie schon seit geraumer Zeit umsetzt. Marion kauft 80% ihrer Lebensmittel auf einem Biohof – aufgrund der ländlichen Region, in der sie lebt, lassen sich die übrigen Lebensmittel jedoch nicht immer verpackungsarm einkaufen. Marion stellt auch selber Reinigungsmittel her, gefriert in Glas statt in Gefriertüten ein und plant, aus alten Handtüchern Spüllappen zu nähen. Bis jetzt konnte Marion ihren Wertstoffmüll auf 1,5 gelbe Säcke in 4 Wochen reduzieren.  Weiter so!

Ina: Nur noch ein gelber Sack pro Monat.

Ina’s Familie besteht aus 4 Mitgliedern. Sie setzt sich das tolle Ziel, zukünftig nur noch einen gelben Sack pro Monat zu füllen. Finden wir prima!

Peter: Andere davon überzeugen, auf Plastik zu verzichten.

Peter ist ein alter Hase der Müllvermeidung: schon seit mehreren Jahren vermeidet er Müll und Plastik. Darum denkt er das ganze Thema weiter und versucht etwa, seiner Tochter zu erklären, warum weniger Plastik besser ist. Kauft Peter online ein, fügt er seiner Bestellung den Hinweis bei, doch bitte auf unnötige und besonders umweltschädliche Verpackungsmaterialien zu verzichten. Das ist klasse – denn mit gutem Beispiel geht man voran.

Ute: Müllvermeidung auf Autopilot.

Ute, ihr Mann und ihre zwei Kinder konnten trotz einiger Mühen, die wir alle nur allzu gut kennen, für die meisten der von ihnen benutzen Produkte einen müllfreien oder müllarmen Ersatz finden. Nun möchte Ute sozusagen automatisieren und wie Bea Johnson ihren Alltag leben, ohne noch groß recherchieren und immer wieder Konsumentscheidungen treffen zu müssen. Wie das geht? Indem man bei “seinen” Produkten ankommt und diese guten Gewissens immer wieder kaufen kann. Findet monomeer auch: Das Leben ist so viel einfacher geworden, seitdem es plastikfrei ist… Kein langes Rumstehen vorm Regal mehr, sondern wissen, was in Frage kommt, einkaufen, fertig.

Jasmine: Zwei Wochen Nahrungsmittel komplett plastikfrei kaufen.

Die Lebensmittel sind ja immer die Krux – sie verursachen den meisten Müll. Dementsprechend löst sein Müllproblem derjenige weitgehend, der Lebensmittel verpackungsfrei einkauft. Jasmine macht ein Experiment: zwei Wochen lang zieht sie durch. Außer bei der Milch, die sie als Veganerin nicht in der Glasflasche bekommt. Ein sehr guter Anfang!

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